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Gesellschaft der potenziell Erkrankten

In seinem dieser Tage wieder vielgelesenen Roman „Die Pest“ macht Albert Camus auf den ersten Seiten eine interessante pre-pandemische Beobachtung über die moderne Stadtgesellschaft im algerischen Oran: „Ein Kranker ist hier sehr allein“. Grund dafür, so Camus, ist die Gefühllosigkeit der Stadt mit dem geistlosen Gesicht. Das gesellschaftliche und geschäftliche Treiben, der kapitalistische Exzess, dem der Kranke nicht mehr folgen kann, lässt ihn vereinzelt zurück. Ich glaube nicht, dass die aufmerksame Leserin dieser Tage in Camus Schrift wie sonst nach dem Sinn des Lebens sucht. Vielmehr geht es um die durch den Katastrophenfall aufgeworfene Frage, wie wir leben sollen. (Um die Kritik vorwegzunehmen. Ich akzeptiere durchaus, dass die Frage wozu wir leben für manche nicht von der Frage wie wir leben zu trennen ist.)